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FOCUS - Fostering Caring Masculinities

Artikel aus der Frankfurter Rundschau wiedergegeben mit Erlaubnis des Autoren.

Frankfurter Rundschau / Wirtschaft

27/10/2006

Fast alle isländischen Papas gehen in Elternzeit

Studie vergleicht europäische Länder / Experten sprechen von Nachholbedarf in Deutschland.

Thomas Gesterkamp

Wenn im Januar das Elterngeld eingeführt wird, werden mehr Männer zumindest eine kurze Babypause einlegen - das hofft Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Eine Lohnersatzleistung von 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens sowie zwei zusätzliche "Papamonate" sollen sie ermuntern, sich mehr um ihre Kinder zu kümmern.

Wie Gesetze zu Verhaltensänderungen führen können, belegt das Beispiel Island: Dort genießen inzwischen fast 90 Prozent der jungen Väter drei Monate bezahlte Väterzeit. Die isländischen Erfahrungen sind Thema eines Forschungsprojektes der Europäischen Union. "Fostering Caring Masculinities", kurz Focus, setzt sich mit den Möglichkeiten von Männern auseinander, Erziehungs- und Fürsorgearbeit in ihrer Familie zu übernehmen.

In Spanien, Deutschland, Slowenien, Norwegen und Island wurden je zwei Unternehmen - ein privatwirtschaftliches und ein öffentliches - im Detail auf ihre Väterfreundlichkeit hin untersucht. Kulturelle Unterschiede stellten die Wissenschaftler schon bei der Vorauswahl fest. So wollten in Norwegen zahlreiche Betriebe unbedingt an dem Projekt teilnehmen. In Deutschland dagegen wollte eines der befragten Unternehmen, ein großer Energiekonzern, nicht einmal seinen Namen preisgeben. Im nationalen Bericht taucht deshalb neben dem Umweltbundesamt, das ein besonders flexibles Zeitmanagement entwickelt hat, die fiktive Firma "Ener-Com" auf.

"Väterförderung ist in den meisten Betrieben immer noch ein blinder Fleck", stellt Marc Gärtner fest. Der Politikwissenschaftler am Berliner Forschungsinstitut Dissens zeichnet für den deutschen Part am Focus-Projekt verantwortlich. Im Vergleich zu Skandinavien dominiere hier zu Lande eine konservative Aufteilung der Geschlechterrollen. Die Folge: Bisher arbeiten nur wenige Väter Teilzeit oder nutzen eine Babypause.

Nach einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums sind derzeit knapp fünf Prozent der Elternzeitler Männer - immerhin hat sich diese Quote seit 2001 verdreifacht. Gärtner erwartet, dass das Elterngeld den Väteranteil weiter steigern wird.

Erhärtet wird diese Prognose durch die Erfahrungen mit den weitergehenden Regelungen in Norwegen, Schweden - und vor allem Island. Dort ist die insgesamt neunmonatige Babypause aufteilt. Drei Monate stehen der Frau, drei Monate dem Mann zu. Über die restlichen drei Monate können die Eltern frei verfügen.

Arbeitgeber für Kinderpause

Den Focus-Ergebnissen zufolge nehmen in Island Väter im Schnitt 90 Tage und Mütter 180 Tage eine bezahlte Auszeit. Die weiter bestehende Differenz erklärt der Geschlechterforscher Ingolfur Gislason damit, dass die isländischen Mütter ihre Säuglinge rund ein halbes Jahr stillen und in dieser Zeit zu Hause bleiben. Danach aber gehen neun von zehn Vätern für ein Vierteljahr in Elternzeit.

Nach den Befragungen der Wissenschaftler befürworten fast 74 Prozent der isländischen Arbeitgeber den befristeten Ausstieg der Männer. Gesetzliche Papamonate werden dort nicht als "Windelvolontariat" diffamiert oder als staatliche Bevormundung abgelehnt. Vielmehr herrscht ein gesellschaftlicher Konsens, dass auch Männer Erziehungsaufgaben übernehmen sollen.

Deutsche Unternehmen gehen bisher nicht davon aus, dass ihre männlichen Mitarbeiter von 2007 an in Scharen an den Wickeltisch abwandern. Viele hätten Angst, entlassen zu werden, wenn sie eine Auszeit nehmen, meint Matthias Lindner, Gender-Experte bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Notwendig sei eine "andere betriebliche Kultur, in der auch Führungskräfte andere Rollenbilder vorleben".

Väter-Forschung

Das Focus-Projekt (Fostering Caring Masculinities) untersucht im internationalen Vergleich die Möglichkeiten von Männern, Beruf und Familie zu vereinbaren und Erziehungsarbeit zu übernehmen.

Beteiligt sind Wissenschaftler aus Deutschland, Island, Norwegen, Slowenien und Spanien. In diesen fünf Ländern wurden je zwei Unternehmen aus derselben Branche genauer unter die Lupe genommen. Das auf 15 Monate angelegte und von der EU geförderte Projekt läuft noch bis Januar 2007. Von deutscher Seite beteiligt sich das Berliner Forschungsinstitut Dissens.

Kontakt: Telefon 030 / 54 98 75 30

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