Fortbildungsreihe "Schule: Ein Ort geschlechterreflektierter Arbeit mit Jungen?!"

Start der Fortbildungsreihe in Berlin und Brandenburg: Anfang Februar im SFBB. [Mehr Information]

Call for Contributions: Internetportal Intersektionalität

Für ein Internetportal zum Thema Intersektionalität/Interdependenzen suchen wir Beiträge mit intersektionalen Themenausrichtungen und Formaten. Mehr Information

3. Berliner Fachtag Jungenarbeit

Dokumentation zum 3. Berliner Fachtag Jungenarbeit erschienen. Mit Beiträgen von Prof. Detlef Pech, Koray Yilmaz-Günay und Dissens-Mitarbeitern.

Praxishandreichung Jungenarbeit erschienen

"Die vielen Seiten der Männlichkeiten - Grundlagen geschlechterreflektierter Jungenarbeit" ist in Kooperation mit dem SFBB entstanden. [Mehr Information]

Paul und Paula fragen nach - auf der Suche nach dem Traumberuf...

Inhalt

beim Interview

1. Ausgangssituation und Projektbeschreibung

Wir verstehen das Projekt "Paul und Paula fragen nach - auf der Suche nach dem Traumberuf" als eine Angebot für Jugendliche, sich mit ihren individuellen Berufs- und Familienvorstellungen auseinander zu setzen.

Betrachtet man die Lebensentwürfe und Praxen Jugendlicher in Hinblick auf Familien- und Berufsorientierung unter einem geschlechtsspezifischen Blickwinkel, fallen zwei Entwicklungen besonders ins Auge:

Männliche und weibliche Jugendliche verfügen über ein eingeschränktes Berufswahlspektrum. Mädchen favorisieren 12 typische Frauenberufe, ihr Anteil an den gewerblich-technischen Berufen ist seit Mitte der 90er Jahre wieder rückläufig (vgl. TAZ vom 13./14. September 2003), Jungen hingegen leiden an dem Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt, wo Arbeits- und Ausbildungsplätze im produzierenden Sektor wegfallen, während viele neue Jobs im von Frauen dominierten Dienstleistungssektor entstehen (ZEIT Nr. 12, 2003).
Männliche und weibliche Jugendliche gewichten die Berufs- und Familienorientierung in unterschiedlicher Weise. Zwar denken Jugendliche Beruf und Familie geschlechterübergreifend zusammen und planen, diese beiden Lebensbereiche zu verbinden. Mit zunehmendem Alter orientieren sich junge Frauen aber immer mehr an der Familie, während junge Männer sich als Familienernährer sehen und in der Regel davon ausgehen, dass die zukünftige Partnerin ihre Erwerbsbiographie für die Kinderversorgung unterbricht. (King 2000, S. 100).

Die Lebensentwürfe Jugendlicher zeigen, dass im Bereich der Berufs- und Familienorientierung Vorstellungswelten geschlechtsspezifisch geprägt und begrenzt sind. Dies hat weitreichende Folgen für männliche und weibliche Berufsbiographien und stellt frühzeitig die Weichen für unterschiedliche Entwicklungschancen und -risiken und Ressourcenzugänge auf dem Arbeitsmarkt.

Beispielhaft seien hier nur die fortgesetzte finanzielle Unterbewertung von traditionellen Frauenberufen genannt und die stark identitätsstiftende Bedeutung von Arbeit für Männer und die damit einhergehende Krisenanfälligkeit bei beruflichen Diskontinuitäten.

Dieses Projekt ist als Pilotprojekt geplant. Wir gehen davon aus, dass der geschlechtssensible Ansatz in der Berufsfrühorientierung für viele Jugendliche neue Perspektiven eröffnen kann und es daher sinnvoll wäre, vergleichbare Projekte mit weiteren Schulen (z.B. auch Sonderschulen und Hauptschulen) im Bezirk durchzuführen. über die Zusammenarbeit mit der GEW ließe sich auch überlegen, ob das Projekt in anderen Regionen sinnvoll einzusetzen ist.

1.1. Ziel des Projektes

Ziel des Projektes Paul und Paula fragen nach - auf der Suche nach dem Traumberuf war, die Berufswahlalternativen für Jugendliche zu erweitern, aber auch einen Auseinandersetzungsraum zu eröffnen, in dem junge Männer und Frauen ihre individuellen Lebensentwürfe reflektieren können und neue Handlungsspielräume für sich entdecken.

Kooperationspartner waren die 2. Gesamtschule Marzahn, der Mädchen in Marzahn - MiM e.V. und das Jugendamt Marzahn-Hellersdorf.

Mit der 2. Gesamtschule Marzahn gibt es eine langjährige Kooperation. Wir haben mit ihr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Projekten gemacht, bei denen die SchülerInnen sich Themen auf eine Art nähern können, die in der Intensität und inhaltlichen Tiefe im Rahmen des normalen Schulalltages nicht zu bearbeiten sind.

Das Projekt Paul und Paula fragen nach ermöglichte den Jugendlichen, die Rolle von Forschenden einzunehmen, die die Aufgabe haben, ein Berufsbild genauer zu beleuchten. Nachdem sie sich in Eigenarbeit Wissen über bestimmte Berufe aneignen konnten, haben die SchülerInnen in Kleingruppen Menschen an ihren Arbeitsplätzen mit einer Videokamera interviewt. Die SchülerInnen wählten dabei im Vorfeld die für sie interessantesten InterviewpartnerInnen aus und entwickelten ihre eigenen Fragen für das Interview. Unser Interesse dabei war einerseits, dass die Jugendlichen eine Vorstellung davon bekommen, welche Entscheidungen und Lebensentwürfe hinter der Berufswahl der Befragten stecken und andererseits, wie die berufliche Tätigkeit das Privatleben und dabei insbesondere das Zusammenspiel von Beruf und Familie, von Menschen beeinflußt. Die Jugendlichen bestimmten die Dynamik und Gewichtung des Interviews selbst. Wir legten besonderen Wert darauf, den Jugendlichen auch den Zugang zu InterviewpartnerInnen zu ermöglichen, die für ihr Geschlecht untypische Berufe gewählt haben, die die unterschiedlichsten Lebenskonzepte eingegangen sind und die ein gewisses Maß an Offenheit haben, auch private Fragen zu beantworten.

Die Interviews wurden in der Klasse vorgestellt. Dies ermöglichte den SchülerInnen einen tiefergehenden Einblick in die vielfältige Ausgestaltung individueller Erwerbs- und Berufsbiographien.

beim Interview

Diese Biographiearbeit mit konkreten Menschen bot den Jugendlichen die Möglichkeit, unterschiedlichste Lebensentwürfe kennen zu lernen und in eigene Vorstellungswelten zu integrieren. Neue Handlungsspielräume können denkbar sein und, so die Hoffnung, klischeehafte geschlechtliche Zuschreibungen verringert werden.

Wir erhofften uns jedoch nicht nur eine individuelle Entgrenzung vergeschlechtlichter Handlungsspielräume, sondern auch mögliche Normierungs-zwänge, die in einer Schulklasse vorherrschen, aufzuweichen. So sollten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, offen Berufswünsche und Lebensentwürfe äußern zu können, ohne dafür von MitschülerInnen ausgelacht oder beschimpft zu werden. Nach dem Projekt Paul und Paula fragen nach können Kinder und Jugendliche mit geschlechtsuntypischen Berufs- und Lebensplanungen immer auf beispielhafte Vorbilder verweisen.

1.2. Zur Nachhaltigkeit des Projektes

Die Dokumentation wird zusammen mit den zu einem Film verarbeiteten Videoaufnahmen interessierten LehrerInnen und JugendarbeiterInnen zur Verfügung gestellt, um einen Multiplikatoreneffekt zu erreichen.

Weiterhin soll das Projekt über verschiedene Medien publik gemacht werden, bspw. Schülerzeitung, Marzahner Zeitung und Fachzeitschriften für Pädagogen. Darüber hinaus wird eine Projektbeschreibung über das Internet erscheinen, um eine höhere Breiten- und öffentlichkeitswirkung zu erzielen, die auch dazu dienen soll, die Projektidee aufzugreifen und in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu nutzen und weiter zu entwickeln.

Aus der Projektkonzeption:
Andrea v. Marschall, Jens Krabel, Geschäftsführung Dissens e.V.

Vorherige Seite | Inhalt | Nächste Seite