3. Berliner Fachtag Jungenarbeit

...am 6. Oktober in Berlin-Neukölln. Schwerpunkt diesmal: Jungenarbeit in Bewegung. [Mehr Information]

Jungenarbeit und Schule

Von der Freiheit, nicht männlich sein zu müssen.
Neue Fortbildungsreihe schult Lehrer_innen und Pädagog_innen in geschlechterreflektierter Jungenarbeit / Projekthomepage jetzt online. [Mehr Information]

Neues Projekt

IGIV - Implementation Guidlines for intersectional peer violence prevention richtet sich an Pädagog_innen und verfolgt die Entwicklung einer intersektional erweiterten Bildungs- und Sozialarbeit.

Basisqualifizierung Jungenarbeit

Im Juni startet in Berlin erneut die dreiteilige Fortbildung "Die vielen Seiten der Männlichkeiten" [Mehr Information]

Praktikant gesucht

Wir suchen eine Praktikanten für die Mitarbeit in geschlechtersensibler Sozialarbeit mit Jungen. [Mehr Information]

Dissens sucht Mitarbeiter

Sozialpädagoge gesucht für Hilfen zur Erziehung - Arbeitsbereich Jungenarbeit. [Mehr Information]

Paul und Paula fragen nach - auf der Suche nach dem Traumberuf...

Inhalt

2. Methodische Umsetzung des Projektes

2.1. Auswahl der Interview-PartnerInnen

Die Lebensentwürfe Jugendlicher zeigen, dass im Bereich der Berufs- und Familienorientierung Vorstellungswelten geschlechtsspezifisch geprägt und begrenzt sind. Dies hat weitreichende Folgen für männliche und weibliche Erwerbs- und Berufsbiographien und stellt frühzeitig die Weichen für unterschiedliche Entwicklungschancen und -risiken und Ressourcenzugänge auf dem Arbeitsmarkt. Beispielhaft seien hier nur die fortgesetzte finanzielle Unterbewertung von traditionellen Frauenberufen genannt und die starke identitätsstiftende Bedeutung von Arbeit für Männer und die damit einhergehende Krisenanfälligkeit bei beruflichen Diskontinuitäten.

Wir wollten die Jugendlichen, mit denen wir das Berufsorientierungsprojekt durchführten, mit Menschen zusammentreffen lassen, die durch ihre besondere Art zu leben und zu arbeiten, Vorstellungswelten entgrenzen können. Der persönliche Kontakt mit den interviewten Personen sollte dabei helfen, diesen Vorstellungswelten Leben einzuhauchen und den Jugendlichen eine Ahnung vermitteln, dass Leben und Arbeiten jenseits von Geschlechtergrenzen konkret lebbar und erfahrbar ist. Aus diesem Grund wählten wir für die Interviews Männer und Frauen aus, die zum einen in geschlechtsuntypischen Berufen arbeiten, aber auch sonst ungewöhnliche Lebensentwürfe verfolgen. Die interviewten Personen arbeiten zum Teil in Kollektiven, die den Anspruch haben, ohne Hierarchien im Arbeitsprozess auszukommen, in freien Schulen, leben in Wohngemeinschaften oder haben Familienkonstellationen gewählt, die nicht heterosexuellen Normvorstellungen entsprechen.

Mit dem Berufsorientierungsprojekt ist die Hoffnung verbunden, dass die Jugendlichen die Erfahrungen, die sie während und durch die Interviews machen konnten, in Erinnerung behalten und bei späteren (Berufswahl)Entscheidungen miteinbezogen werden.

Jens Krabel, Dissens e.V.

Die InterviewpartnerInnen waren:

beim Interview
  • Bernd N., Grundschullehrer in der freien Schule auf dem UFA-Gelände in Tempelhof
  • Steff R., Erzieher in der Kita Krötenpfuhl in der Heimstraße in Kreuzberg
  • Arnd W., Pfleger in der ambulanten Hauskrankenpflege für HIV Positive in der Meinekestr. 12
  • Eleny F., Metallbauerin im Kollektiv Drittwerk in der Urbanstr. 122/123 in Kreuzberg
  • Ilona J., Elektrikerin in dem Life-Ausbildungsunternehmen StrOHMerin in der Dircksenstr. 47
  • Lutz R., Journalist und Filmemacher bei NOAH-Film Berlin, Joachimstr. 11a in Mitte
  • Ines D., Sozialpädagogin in der Mädchen WG des MiM e.V, Raoul Wallenbergstr. 40 in Marzahn
  • Tobias B., Grundschullehrer und Direktor in der Grundschule im Grünen Malchow, Malchower Chaussee 2
  • Michael R., Sozialpädagoge in einer Einrichtung für suizidgefährdete Jugendliche
  • Heike B., Gastronomieausbilderin im Cafe Seidenfaden in der Dircksenstr. 47 in Mitte
  • Roger S., Krankenpfleger in einer hermatologischen Abteilung

2.2. Vorbereitung der Exkursion

Die Exkursionen wurden im Arbeitslehreunterricht in Anwesenheit der Lehrerin vorbereitet. Die erste Methode, die wir für die Vorbereitung einsetzten, nannten wir Berufssensis. Wir setzten uns mit den SchülerInnen in einen Kreis und legten Postkarten, auf denen Menschen in verschiedenen Berufen abgebildet waren, in die Mitte. In der ersten Runde suchten sich die SchülerInnen in Gedanken den Beruf aus, für den sie sich am geeignetsten hielten. In der zweiten Runde hatten alle die Aufgabe die ausgewählten Berufe der MitschülerInnen einzuschätzen. Wir wollten mit der Methode erreichen, dass sich die SchülerInnen nicht über ihren Traumberuf Gedanken machen, sondern ihre Fähigkeiten einschätzen und überprüfen lassen. Gleichzeitig diente die Methode dazu, auf eine spielerische Art in das Projekt einzuführen.

Bei der zweiten Methode Klassentreffen stellten sich die SchülerInnen vor, sie treffen sich in zehn Jahren zu einem Klassentreffen wieder und berichten von ihrer derzeitigen Lebenssituation, von ihren zurückliegenden Erlebnissen, von ihren Plänen, von ihren Befürchtungen und Hoffnungen. Nach ca. 20 Minuten werteten wir das Rollenspiel aus.

Die übung diente zum einen zur Vorbereitung der Fragen, die die SchülerInnen den Interviewpersonen stellen wollten. Das Rollenspiel sollte aufzeigen, wie vielfältig die Themen, Fragestellungen und Probleme von Erwachsenen sein können und den SchülerInnen vermitteln, dass sie prinzipiell die Interview-Personen zu diesen Themenkomplexen auch befragen können. Zum anderen sollte die Methode "Klassentreffen" dazu beitragen, dass sich die SchülerInnen mit ihren Berufs- und Zukunftsvisionen auseinandersetzen, da sich darin ihre Werthaltung und ihr Weltbild spiegelt. Machen sich Jugendliche bewusst, wie sie in dieser Welt leben wollen und an welchen Werten sie ihr Leben ausrichten wollen, so ist dies der erste Schritt zur Bewältigung möglicher ängste in Bezug auf Beruf und Lebensgestaltung, denn sie verschaffen sich selbst Orientierung und somit die Grundlage für zukünftiges Handeln.

Eine dritte Methode, um bereits theoretisch in das Berufsthema einzusteigen und auf die Berufs-Exkursion vorzubereiten, war das begriffliche Reagieren auf die überschrift: Die zwei Seiten des Berufes - gute und schlechte. Spontan - assoziativ setzten sich die SchülerInnen bereits vorher mit inhaltlichen Seiten, Vor- und Nachteilen der ausgesuchten Berufsbilder auseinander.

In Kombination mit den Methoden stellten wir die Interview-PartnerInnen vor, informierten über die Berufe, die sie ausüben und erarbeiteten mit den SchülerInnen ihre Interviewfragen. Dabei konnten sie wählen zwischen einer freien Herangehensweise oder aber bekamen als Hilfestellung Stichworte, die eine Fragegrundlage sein konnten.

Jens Krabel, Dissens e.V.

Auf den folgenden Seiten dieser Dokumentation sind Auszüge aus den Interviews, Teile der Berufebiografien der besuchten PraxispartnerInnen oder aber Reflexionen und Eindrücke der SchülerInnen und ProjektbegleiterInnen über die Exkursionen zu lesen. Dabei legten wir bewusst Wert auf vielfältige Methoden in der Beschreibung.

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