Fortbildungsreihe "Schule: Ein Ort geschlechterreflektierter Arbeit mit Jungen?!"

Start der Fortbildungsreihe in Berlin und Brandenburg: Anfang Februar im SFBB. [Mehr Information]

Call for Contributions: Internetportal Intersektionalität

Für ein Internetportal zum Thema Intersektionalität/Interdependenzen suchen wir Beiträge mit intersektionalen Themenausrichtungen und Formaten. Mehr Information

3. Berliner Fachtag Jungenarbeit

Dokumentation zum 3. Berliner Fachtag Jungenarbeit erschienen. Mit Beiträgen von Prof. Detlef Pech, Koray Yilmaz-Günay und Dissens-Mitarbeitern.

Praxishandreichung Jungenarbeit erschienen

"Die vielen Seiten der Männlichkeiten - Grundlagen geschlechterreflektierter Jungenarbeit" ist in Kooperation mit dem SFBB entstanden. [Mehr Information]

Paul und Paula fragen nach - auf der Suche nach dem Traumberuf...

Inhalt

3. Berufliche Biografien

3.1. Der Grundschullehrer an einer freien Schule - aus der beruflichen Biografie

Bernd N., Freie Schule, Tempelhof

Bernd beginnt mit 21 Jahren ein Diplom-Politik Studium in Berlin. Nach 2 Jahren entscheidet er sich dafür, Grundschullehrer zu werden und wechselt das Studium. Während des Studiums gründet er drei verschiedene Firmen (eine Holzwerkstatt, ein Gartenbau- und ein Transportunternehmen), die er alleine oder mit Freunden betreibt. Im Jahr 2000 macht er sein erstes Staatsexamen und arbeitet seitdem in einer freien Schule als Grundschullehrer. Einer der Gründe, aus denen heraus sich Bernd für den Beruf des Grundschullehrers entscheidet, ist seine Unzufriedenheit mit dem Politikstudium. Er sieht in und mit diesem Studium für sich keine längerfristige Perspektive und denkt über berufliche Perspektiven nach.

Die Mutter seiner damaligen Freundin ist Grundschullehrerin und Bernd fragt sie, ob er mal zu ihr in den Unterricht kommen könnte. Dieser Tag in der Schule, aber auch die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung als Grundschullehrer gefallen ihm so gut, dass er das Lehramtsstudium aufnimmt. Ein Praktikum an einer Hauptschule, in der er von rechtsgerichteten Jugendliche bedroht wird, macht ihm klar, dass er nur in einer Grundschule arbeiten möchte. Im Tischtennisverein lernt er einen Mann kennen, der Lehrer an einer freien Grundschule ist und Bernd viel über die dort gelehrte Reformpädagogik erzählt. Als nach Bernds erstem Staatsexamen in dieser freien Schule ein Lehrer gesucht wird, bewirbt er sich darauf und bekommt die Stelle. Seitdem arbeitet Bernd dort und ist mit seiner Arbeit und den Lehrbedingungen sehr zufrieden.

Reflektion der Exkursion

Für das Interview mit Bernd hatten sich drei Jungen entschieden. Als wir um 10 Uhr die Schule erreichten (der Unterricht geht von 10 bis 16 Uhr) war Bernd noch nicht angekommen und wir hatten Zeit, einen ersten Eindruck von der Schule zu bekommen. Wir setzten uns in einen der Aufenthaltsräume und sprachen auch schon mit einigen Kindern. Die drei Jungen mussten sich zuerst an diese Art von Schule gewöhnen. Die Wände waren bunt von den Kindern bemalt worden, die Räumlichkeiten viel unordentlicher als in anderen Schulen und die Kinder wechselten nach Lust und Laune den Unterricht und die Klassenräume. "Kann man hier überhaupt etwas lernen?" fragten sie sich. Dies war dann auch eine der ersten Fragen, die sie Bernd stellten. Die Jungen schienen während des Interviews, an dem auch eine Reihe von Kindern teilnahm, zwischen Faszination und Fassungslosigkeit hin und her zu schwanken. Sie waren in eine Welt eingetaucht, von der sie bis dahin noch nie etwas mitbekommen hatten.

Neu waren für sie die Lehr- und Lernbedingungen, der freundschaftliche, hierarchiefreiere Umgang zwischen SchülerInnen und LehrerInnen und die Art und Weise, in der Bernd von seinen Lebensentwürfen berichtete. Sie konnten außerdem erleben, dass in dieser Grundschule genauso viele Männer wie Frauen arbeiten und Männer und Grundschule gut zusammenpassen.

Die Kinder mochten Bernd offensichtlich, sie tobten mit ihm herum, machten Späße miteinander und Bernd schien sehr glücklich in und mit seiner Arbeit zu sein.

Laut Aussagen der Jungen war ihnen in dieser Schule doch zu vieles neu, ungewohnt und gewöhnungsbedürftig, so dass sie sich erst mal nicht vorstellen konnten als Grundschullehrer in einer freien Schule zu arbeiten. Eine interessante und besondere Erfahrung war es aber auf jeden Fall für sie.

Jens Krabel, Dissens e.V.

Der Grundschullehrer und Direktor - aus dem beruflichen Alltag

Reflexion der Exkursion - Thobias B., Grundschule im Grünen, Malchow

Der Direktor, Herr Barthel, nahm sich für uns Zeit, um Auskunft über seinen Beruf und den beruflichen Werdegang zu geben.

Grundschule Malchow

Die Atmosphäre war anfänglich etwas gespannt und verhalten, denn jeder von uns hat nicht nur gute Erinnerungen an Schule und Lehrer.

Doch die lockere, sympathische Art des Direktors, auf unsere Fragen einzugehen, machte es uns leicht, ein Interview nach unserem vorbereiteten Leitfaden zu führen.

Wir haben erfahren, dass der Direktor, der als Grundschullehrer anfing, seinen Beruf gerne ausübt, weil er Kinder mag und es eine besondere Freude ist, in einer Schule zu arbeiten, die sich im Grünen befindet. Wir konnten uns überzeugen, dass sich Schüler und Lehrer wohl fühlen inmitten dieser schönen grünen Anlagen rund um das Schulgebäude mit der kleinen Attraktion eines Tiergeheges.

Der Direktor schilderte uns, wie der Wechsel der Jahreszeiten und die Natur sich auf die Atmosphäre in der Schule auswirkt. In den Wintermonaten, an trüben Tagen, kann es vorkommen, dass sowohl Schüler als auch Lehrer nach Schulschluss schnell die Schule verlassen. Das ändert sich natürlich in den anderen Jahreszeiten.

Der Direktor gab uns Einblick in die einzelnen Ausbildungsetappen und vermittelte uns den Eindruck, dass das Wichtigste am Lehrerdasein die Freude am Lernen, die Wissensvermittlung und der Umgang mit Kindern ist.

Der Direktor

Wir wollten auch wissen, wie er es schafft, ein gutes Arbeitsklima zwischen Lehrer und Schüler und zwischen den Lehrern zu erzeugen.

Etwas verhalten, aber dann schmunzelnd, erfuhren wir, dass es ein ständiger Prozess im täglichen Umgang miteinander ist und dabei Achtung und Akzeptanz oberste Priorität hat.

Wichtig sei das Bemühen um Verständnis, das Sprechen über Probleme und das gemeinsame Suchen nach Lösungen.

Über die vielfältigen Aufgaben eines Direktors und seine langen Arbeitszeiten waren wir erstaunt.

Dass der Beruf eines Pädagogen ein sicherer und gut bezahlter Beruf ist, konnten wir ebenfalls erfahren. Das macht die vielen anfallenden überstunden, die nicht immer etwas mit pädagogischer Arbeit zu tun haben, erträglicher.

Auf die Frage, ob ein Direktor immer der BESTE sein muss, war zu erfahren, dass das nicht der Fall ist.

Die BESTEN sollten unterrichten, meinte Tobias Barthel und für die Tätigkeit des Direktors werden noch andere, über die pädagogischen Fähigkeiten hinausgehende Eigenschaften gefordert, die er in einem Auswahlverfahren unter Beweis stellen musste.

Es war für uns interessant zu hören, dass der Direktor nach so vielen Jahren, noch immer Freude an seinem Beruf hat.

Die Interviewer

Er unterstützt die Arbeit der Lehrer, die Talente und Fähigkeiten der Kinder zu fordern und zu fördern.

Durch das besondere Konzept der Erziehung in der Schule im Grünen in Verbindung mit dem Erleben der Pflanzen- und Tierwelt, entwickeln sich bei ca. 10% der Kinder nach Schulabgang Aktivitäten im Umweltschutz.

Wir waren dem Direktor dankbar, dass wir die Gelegenheit hatten, einen kurzen Einblick in die Arbeit eines Direktors zu bekommen.

Am Ende des Interviews waren wir wesentlich lockerer als zu Beginn, und einige unter uns konnten sich vorstellen, dass der Beruf eines Lehrers für die Berufswahl auch in Frage kommt.

Oliver Jung und Alexander Trunschke, Klasse 9/23
Renate Lemke, MiM e.V.

Grundschule Malchow

Vorherige Seite | Inhalt | Nächste Seite