Fortbildungsreihe "Schule: Ein Ort geschlechterreflektierter Arbeit mit Jungen?!"

Start der Fortbildungsreihe in Berlin und Brandenburg: Anfang Februar im SFBB. [Mehr Information]

Call for Contributions: Internetportal Intersektionalität

Für ein Internetportal zum Thema Intersektionalität/Interdependenzen suchen wir Beiträge mit intersektionalen Themenausrichtungen und Formaten. Mehr Information

3. Berliner Fachtag Jungenarbeit

Dokumentation zum 3. Berliner Fachtag Jungenarbeit erschienen. Mit Beiträgen von Prof. Detlef Pech, Koray Yilmaz-Günay und Dissens-Mitarbeitern.

Praxishandreichung Jungenarbeit erschienen

"Die vielen Seiten der Männlichkeiten - Grundlagen geschlechterreflektierter Jungenarbeit" ist in Kooperation mit dem SFBB entstanden. [Mehr Information]

Paul und Paula fragen nach - auf der Suche nach dem Traumberuf...

Inhalt

3. Berufliche Biografien

3.2. Die Metallbauerin aus einem Kollektiv - aus beruflicher Biografie und Arbeitsalltag

Die Metallbauerin

Eleny Fernandez, Drittwerk, Werkstatt für Metallbearbeitung

Mit 17 bin ich nach Kreuzberg gekommen, meine Eltern sind Spanier, ich habe keine Kinder, schade, würde gern welche haben. Ich bin 26 Jahre alt. Einen Freund? Den hab' ich auch. Und einen Hauptschulabschluß.

Ob es ein anstrengender Beruf ist, fragst Du? Ich finde, es macht mehr Spaß, wenn im Beruf etwas zu tun ist als wenn man nicht gefordert ist. Na ja, am Anfang war der technische Teil sehr schwer und körperlich anstrengend konnte man es auch nennen. Aber trotzdem hat mir die Arbeit sehr viel Spaß gemacht.

Wir haben hier ein Büro, wo die Aufträge ankommen, die Rechnungen gemacht werden, die ganze Buchhaltung eben, Kalkulationen Ausschreibungen, Bestellungen und natürlich auch Sitzungen. Hinten ist die Metallwerkstatt, da gibt es Bohrmaschinen, Fräsen, Schweiß- und Lötplätze, sehr viele Werkzeuge, Stahlbleche... Alles steht in einem Raum, weil es eine bestimmte Abfolge von Arbeitsgängen gibt.

Die Werkstatt

Manchmal ist es etwas eng, manchmal ist es etwas laut, man muß sehr aufmerksam sein. Ich hatte schon oft Kopfschmerzen wegen der schlechten Luft. Manchmal fliegt dir auch ein Span ins Auge.

Wie war die Ausbildung? Ja, erst mal 3 Jahre lang. Die ersten Jahre waren sehr schwer für mich. Es gab kaum Frauen, die diesen Beruf lernen wollten. Ich war die einzige. Die Jungen kamen aus Brandenburg. Die haben gleich komisch geguckt, weil ich das einzige Mädchen war und Ausländerin dazu. Mein Alter zu der Zeit 26, ich bin auch die älteste gewesen.

Es war wirklich ein bißchen die Hölle. Viele Mädchen hören bei solchen Ausbildungen auch auf, weil sie von den Jungen fertig gemacht werden. Ich habe meine Lehrerin gebeten, mich in eine andere Klasse zu versetzen, sie wollte nicht. Später dann, im 3. Jahr, ging es besser. Sie haben gesehen, daß ich gut bin, mich nicht beirren lasse und es gab mehr türkische Jungen.

Metallgitter

Was genau ich mir von den Jungs anhören musste? Blöde Sprüche, Anmache von hinten und von der Seite, sie haben Schnipsel nach mir geworfen und Müll.

Die wollen dich fertig machen, habe ich gedacht, aber trotzdem versucht, meine Nerven zu schonen. Da mußt du durch..., denn ich wollte den Beruf.

Und übrigens sind die Frauen in den Prüfungen immer besser als die Männer. Die Mädchen haben bessere Zensuren und darauf reagieren die Jungs aggressiv, manche Mädchen halten das nicht aus.

Schon als Kind habe ich gern handwerklich gearbeitet, mit Holz und Papier. Dann kam es einfach so, das Interesse für Metall. Ich wollte auch gern technisch zeichnen und planen lernen.

Wir bauen hier Metallmöbel, Lampen, Gitter, Zäune, Türen, Türklinken, Schmuck, alles, was Leute wünschen und bestellen. Vor allem Künstler und Architekten. Es ist toll, einen Metallschrank oder eine Schreibtischvariante für's Büro aus Metall und Glas zu entwerfen und im Anschluß zu bauen. Es ist sehr kreativ.

Büro

Eigentlich bin ich hier glücklich. Meine Meisterin ist auch eine gute Freundin geworden. Aber im Moment ist die Auftragslage sehr schlecht. Wenn nichts zu tun ist, ist es hart. Die Lage in Berlin ist sehr schlecht, viele Firmen schließen.

Wir sind eine GmbH, ein so genanntes Kollektiv. Da gibt es bestimmte Regeln. Die wichtigste Basis ist das Vertrauen von Mensch zu Mensch und das Prinzip der Zusammenarbeit. Es darf keiner überlastet sein oder zu wenig Arbeit haben. Also gleiche Verteilung der Arbeit. Bei uns ist es nicht so, daß es einen Chef und Untergebene gibt. Wir entscheiden zusammen. Natürlich gibt es auch Spezialisierungen, aber auf's Klima wird sehr geachtet. Am Anfang waren wir 10 Leute, jetzt sind es noch 5 Frauen und 2 Männer. Mal sehen, wie es weiter geht.

Werkstattordnung

Wenn der Monat gut ist, verdiene ich bis 1500 Euro, das Minimumgehalt beträgt 600 Euro, jetzt geht's eben nicht so doll, dafür haben wir aber keinen Chef und ein gute Stimmung.

Ich jedenfalls habe nicht bereut, den Beruf ausgewählt zu haben und finde es gut, daß Frauen in Männerberufe gehen. Aber man muß durchhalten.

(Auszüge aus dem Interview)
Stefanie Gierke und Nicole Knippert, Klasse 9/11
Janett Köber, MiM e.V.

Reflexion

Besonders beeindruckte die Mädchen das Standvermögen und die Kraft Elenys, die schwere Zeit der Ausbildung durchzustehen und trotz der Diskriminierung an ihrem Berufswunsch festzuhalten. Sie hatten auch Respekt vor der Leichtigkeit und Angstlosigkeit, mit der sich Eleny in der Werkstatt und an den Geräten bewegte und wie selbstverständlich sie diesen, auch manchmal gefährlichen Beruf, ausübt. Die Mädchen haben zwar alle andere Berufe für sich ausgewählt, es erschien ihnen aber nach der Exkursion weniger komisch, eine solche, "eher für Männer gedachte Arbeit", zu wählen. Grosse Freude machte Eleny den Mädchen, als sie ihnen einen geschweißten Kerzenständer schenkte.

Janett Köber

das Interview das Interview

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