Paul und Paula fragen nach - auf der Suche nach dem Traumberuf...
3. Berufliche Biografien
3.5. Der Pfleger für Aidskranke - aus dem Berufsalltag
Arnd W., Ambulante Hauskrankenpflege für HIV-Positive
Der Pfleger, den wir besuchten, arbeitet in einem Verein, der Aidskranken hilft und sie versorgt. Der Beruf ist für ihn der Traumberuf. Um ihn erst einmal zu erlernen, braucht man zumindest den Realschulabschluß, muss 17 Jahre alt sein, um dann eine Fachschulausbildung zu machen. Die dauert drei Jahre. Wichtige Fächer innerhalb dieser Ausbildung sind: Biologie und Chemie.
Interessant sind noch Bereiche wie Gesetzeskunde und die Grundrechte des Menschen. Die Ausbildung insgesamt ist nicht so schwer, findet Arnd.
Arnds Berufsalltag wird von Schichten bestimmt. Er hat Früh-, Tag-, und Nachtschichten. Darauf muß jemand, der Pfleger werden will, generell eingestimmt sein.
Arnd besucht die aidskranken Menschen zu Hause, redet mit ihnen, schaut sie genau an, um im Gesichtsausdruck zu lesen, beobachtet die Hautfarbe, die Veränderungen und versorgt sie pflegerisch, auch Drogenabhängige.
Als wir ihm die Frage nach der für ihn bedeutendsten Erfahrung stellten, antwortete er: Ich versuche, daß es den Patienten beim Sterben gut geht.
Wichtig ist, zu den Patienten sehr nett zu sein. Oft fragen sie sich, ob sie im Leben etwas falsch gemacht haben, denken über ihr Leben sehr viel nach.
Hellhörig macht es Arnd, wenn jemand sagt, der Tod mache ihm nicht so viel aus. Er versucht, seinen Patienten die letzten Wünsche zu erfüllen. Arnd erklärte uns, dass der Beruf der Krankenschwester in der Regel eher von Frauen ausgeübt wird, in den pflegerischen Berufen aber schon viele Männer tätig sind.
Frauen verhalten sich vielleicht mütterlich-beschützender, das hat aber nichts mit der Qualität der Arbeit zu tun
, meint Arnd. Die Vorteile meines Berufs sind, dass ich ständig mit Menschen arbeite, das wird potentiell schon nicht langweilig. Die Nachteile kennt man: es gibt nicht genügend Arbeitskräfte im pflegerischen Bereich, die Bezahlung ist schlecht und die Arbeit ist Schichtarbeit.
Trotzdem ist es sein Traumberuf.
Reflexion der Exkursion
Im Rahmen dieses Projektes begleitete ich 2 mal Schülergruppen zum Felix - Pflegeteam der Berliner Aids-Hilfe. Vorgestellt werden sollte der Beruf des Pflegers und zwar gerade auch vor dem Hintergrund, dass der pflegende Beruf, meist weiblich besetzt, hier von einem Mann ausgeübt wird.
Es hatten sich in beiden Gruppen sowohl Mädchen, als auch Jungen für gerade diese 'Besuchstour' entschieden. Ich hatte den Eindruck, ein Teil traf die Wahl aus konkretem Interesse für den Beruf, andere mit in Ansätzen voyeuristischer Neugier und wieder andere, weil es sich eben in der Gruppeneinteilung so ergab.
Die Berliner Aidshilfe ist in einem großzügigen, fast schon pompös anmutenden Jahrhundertwendebau in Wilmersdorf, mit marmornen Böden, Fahrstuhl und riesigen Kristallspiegeln untergebracht. Allein dies war für unsere Neubaukid's schon ehrfurchtsgebietend. Spätestens hier wich, nach der Fahrt durch halb Berlin, das demonstrativ Laute einer eher stillen Neugier. Ein übriges tat Arnd W., Pfleger und unser Kontaktpartner bei Felix.
Neben der Schilderung der Rahmenbedingungen, Ausbildungswege und Anfor-derungen gewährte er den Blick auf seinen ganz persönlichen Weg in den Beruf, auf die schönen und die Schattenseiten in der Pflege und was nicht zuletzt ihn noch immer an diesen Beruf bindet. Genau diese persönliche Sicht, was in der eigenen Person eingebracht werden muss und wie man sich selbst in dieser Tätigkeit, in der Konfrontation mit Krankheit, Sterben und Tod verändert, das war meiner Meinung nach das, was die jungen Leute in diesem Gespräch insbesondere gefesselt hat. Die Selbstverständlichkeit, in diesem Beruf zu sein, lag für den Berichtenden selbst klar auf der Hand und es wurde ein ambivalentes lebendiges Bild von Beruf und Berufung. Die Schüler blieben, was durchaus bemerkenswert ist, über die gesamte Zeit der 2, 2-einhalb Stunden aufmerksam. Einige waren 'realistisch' abgeschreckt, entidealisiert, andere nun erst recht interessiert und bestätigt. In jedem Falle war es ein Ausflug in eine andere Welt, lebensweltlich, wie auch lokal. Platte Abwertungen, ob den Beruf betreffend oder die Gepflegten (Aidskranken) wird es vorerst von diesen Jugendlichen jedenfalls nicht geben, eher eine in Ansätzen geschulte Aufmerksamkeit für anderes.

[Das Pflege-Team von Felix, links der Interviewpartner Arnd W.]



