3. Berliner Fachtag Jungenarbeit

...am 6. Oktober in Berlin-Neukölln. Schwerpunkt diesmal: Jungenarbeit in Bewegung. [Mehr Information]

Jungenarbeit und Schule

Von der Freiheit, nicht männlich sein zu müssen.
Neue Fortbildungsreihe schult Lehrer_innen und Pädagog_innen in geschlechterreflektierter Jungenarbeit / Projekthomepage jetzt online. [Mehr Information]

Neues Projekt

IGIV - Implementation Guidlines for intersectional peer violence prevention richtet sich an Pädagog_innen und verfolgt die Entwicklung einer intersektional erweiterten Bildungs- und Sozialarbeit.

Basisqualifizierung Jungenarbeit

Im Juni startet in Berlin erneut die dreiteilige Fortbildung "Die vielen Seiten der Männlichkeiten" [Mehr Information]

Praktikant gesucht

Wir suchen eine Praktikanten für die Mitarbeit in geschlechtersensibler Sozialarbeit mit Jungen. [Mehr Information]

Dissens sucht Mitarbeiter

Sozialpädagoge gesucht für Hilfen zur Erziehung - Arbeitsbereich Jungenarbeit. [Mehr Information]

Paul und Paula fragen nach - auf der Suche nach dem Traumberuf...

Inhalt

3. Berufliche Biografien

3.9. Die Gastronomie - Ausbilderin - aus Berufsbiografie und -alltag

Auf Wunsch der SchülerInnen, die auch andere Berufsbilder erkunden wollten, besuchten wir BerufspraktikerInnen, die in Berufen arbeiten, in denen die Geschlechtsspezifik in eine nicht so stark ausgeprägte Tendenz geht.

Gastronomin Heike B. und Ausbilderin

Heike B., Ausbilderin beim Verein Frau Sucht Zukunft

Heike Berents empfing uns sehr freundlich im Cafe Seidenfaden in Mitte mit Apfelschorle und Cola. Das Cafe ist ein Projekt von "Frau Sucht Zukunft" e.V., es dürfen nur Frauen und Mädchen in diesem Cafe zu Gast sein, Männer sind ausgeschlossen. Uns hat interessiert warum?

Der Grund hat mit dem Anliegen des Vereins zu tun. Er hilft Frauen, die ehemals durch verschiedene Drogen süchtig waren, bei stationärer und ambulanter Therapie, bei der Lebensplanung und beim Wiedereinstieg in das Berufsleben. Die Drogenkrankheit der Frauen hatte in der Regel stets mit Gewalt zu tun, die von Männern in ihrer Umgebung auf sie ausgeübt wurde. Deshalb sind die Räume, in denen die Frauen nun arbeiten, das Cafe und die Küche, Schutzräume, Räume, die nicht an Vergangenes erinnern sollen.

In der Küche des Cafes Seidenfaden

Heike hat eine sehr interessante Berufsbiografie. Sie kommt aus Emden in Friesland (da, wo auch Otto geboren ist), hatte die Kleinstadt satt und ging 2003 nach Berlin. Eigentlich studierte sie Geografie und Volkswirtschaft, arbeitete aber auf diesem Gebiet nie.

Was sie aber schon immer getan hat, war Kellnern und im Gastronomischen tätig sein, wo es viel Geld zu verdienen gab. Sie leitete eine Bar, jobbte und irgendwann wollte sie auf solideren Füßen stehen und besuchte noch einmal die Hotelfachschule. Dann sah sie ihre Chance bei "Frau Sucht Zukunft" und fing als Ausbilderin für den Beruf Fachkraft im Gastgewerbe an.

Wir fragten Heike nach diesem Beruf aus, den wir noch nicht kannten.

Die "Fachkraft" dauert 2 Jahre, man braucht mindestens einen guten Hauptschulabschluss und hat mit diesem Beruf sozusagen einen Einstieg ins Gastronomische, kann als KöchIn weitermachen oder als Restaurantfachfrau/mann.

Die Interviewer

Was lernt man in dieser Ausbildung? Was bringt Heike den Frauen hier bei? Zunächst pünktlich zu sein, verantwortungsvoll, wieder soziale Kontakte zu knüpfen, zu kommunizieren und zu begreifen, dass eine Arbeit zu haben bedeutet, wieder einen Sinn im Leben zu finden. Dann: wie man viele Teller trägt, wie man den Gast richtig behandelt, das Besteck hinlegt, welche Service-Regeln es gibt, was eine gute Deko ist, was gutes Benehmen und Aussehen.

Weiterhin, wie man kocht, also die Grundregeln, welche Schneidetechniken es gibt, auf welche Hygieneregeln zu achten ist, mit welchen "Rohstoffen" man in der Küche arbeitet, außer mit Alkohol. Der ist tabu auf der Speisen- und Getränkekarte von "Frau Sucht Zukunft", wie wir von Heike erfuhren. Und wir hörten, dass Köchin ein harter Beruf ist, sehr zeitaufwendig, kein von 9-17 Uhr Job. Aber, so motivierte uns Heike, gute Gastronomen und Köche/innen sind in Deutschland und in der Welt gefragt und man hat tolle Entwicklungs- und Aufstiegschancen.

Wir fragten sie noch nach dem Klima im Verein, in Küche und Cafe und sie erzählte uns, dass es ganz wichtig wäre, bei stressigen Berufen eine gute zwischenmenschliche Atmosphäre zu haben. Kein Gezicke also und kein autoritäres Gehabe, klare Regeln und ein freundliches Miteinander. Das gibt es bei Frau Sucht Zukunft. Danke für diesen Besuch und die Aufmerksamkeit.

Julia Gleitsmann, Stefani Giel, Tatjana Kundik, Christine Burchard, 9/21
Janett Köber, MiM e.V.

Reflektion

Beeindruckend war für uns, zu erleben, wie zielstrebig und selbstbewusst Heike den Beruf anpeilte, der ihr auch wirklich Spaß macht, unabhängig davon, was man/frau ursprünglich gelernt hat. Wir erfuhren also, dass es auf unterschiedlichen Wegen zum Ziel gehen kann. Dann fanden wir auch die Atmosphäre, die unter den Frauen herrschte sehr gut. Kein Mobbing, kein Gezicke. Wir wissen, dass in der Küche zu Hause oft die Frauen stehen, erfuhren aber von Heike, dass im Beruf zunehmend auch Männer als Köche arbeiten.

Julia

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