Solidarität und Berichterstattung zur Stellungnahme "Geschlecht ist kein Gedöns!" und zur Förderpolitik von Demokratie leben!

Seit Bekanntwerden der Förderentscheidungen im Bundesprogramm Demokratie leben! und der Veröffentlichung unserer Stellungnahme Geschlecht ist kein Gedöns! erreichen uns erfreulicherweise zahlreiche Unterstützungsbekundungen, und auch die Berichte in Presse und Medien zur Förderpolitik von Demokratie leben! nehmen zu. Einiges hiervon möchten wir an dieser Stelle dokumentieren.

Vorausschicken möchten wir noch den Hinweis, dass Dissens - Institut für Bildung und Forschung und unsere Arbeit durch die Förderentscheidungen von Demokratie leben! stark gefährdet sind, wir bitten deshalb um

  • Unterstützung unserer Stellungnahme zur aktuellen Politik des Bundesprogramms Demokratie leben! des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (siehe unten)
  • Spenden
  • Förderung – idealerweise langfristig und nachhaltig

Solidaritäts- und Unterstützungsbekundungen

Email vom 19.10.2019

Solidaritätsnote von Prof. Dr. Jutta Hartmann,
Bereich Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit,
Alice Salomon Hochschule Berlin

Seit vielen Jahren verfolge und schätze ich die Arbeit von Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. in den Themenfeldern Geschlechter- und Männlichkeitsforschung, geschlechterreflektierte Pädagogik, Jungenarbeit, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowie zu Ansätzen der Diskriminierungs- und Gewaltprävention und intersektionalen Erweiterung von Pädagogik. Die Arbeit von Dissens e.V. zeichnet sich unter anderem durch eine enge Verknüpfung von Theorie, Forschung und Praxis sowie durch eine lerntheoretische Fundierung diskriminierungskritischer Bildung mit Jugendlichen und Fachkräften aus. Ich schätze die fachliche, didaktische und konzeptionelle Expertise von Dissens und seinen Mitarbeiter_innen in den genannten Bereichen außerordentlich.

So hat Dissens e.V. bspw. im Projekt „Interventionen für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt“ wissenschaftliches Wissen mit praktischem Erfahrungswissen zusammenführend professionelles Handlungswissen generiert und einen wichtigen Beitrag zum kollektiven Professionalisierungsprozess einer genderreflexiven wie heteronormativitätskritischen Bildungsarbeit geleistet. Als bundesweit größte Staatliche Hochschule mit Profil in den SAGE-Disziplinen Soziale Arbeit, Gesundheit sowie Erziehung und Bildung hat sich die Alice Salomon Hochschule Berlin von einer Weiterführung dieses Projektes mit der hier gewonnenen Expertise weitere wichtige Impulse sowohl für die Fachdebatte als auch für die Lehre insbesondere in der Sozialen Arbeit zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt wie zu Diskriminierungskritik versprochen. Mit dem neu geplanten Fokus hätte das bei ‚Demokratie leben!’ beantragte Folgeprojekt viele Möglichkeiten entwickeln können, um Vielfalt entsprechend eines Konzepts vielfältiger Lebensweisen tatsächlich enthierarchisierend und gewaltpräventiv von der Vielfalt her zu denken, anstatt – wie leider noch allzu oft auch bei neuen Konzepten zum Themenbereich zu beobachten – eine Logik von Norm und Abweichung weiter zu tragen.

In Zeiten, in denen Intoleranz, Demokratiefeindlichkeit und Gewalt immer unverblümter zutage treten, ein so fundiertes und Erfolg versprechendes Projekt nicht weiter zu finanzieren, bleibt mir unverständlich. Ich bitte die Verantwortlichen von ‚Demokratie leben’ ihre Vergabepraxis auch mit Blick auf weitere Projekte nochmals zu überdenken und zu prüfen, inwiefern die zur Verfügung gestellten Mittel aufgestockt werden können.


Resolution anlässlich des antisemitischen Anschlags in Halle am 09.10.2019

Am 9. Oktober 2019 wurden in Halle zwei Menschen ermordet bei einem rechtsterroristischen Anschlag auf eine Synagoge sowie einen Döner-Imbiss. Unsere Solidarität gilt allen Betroffenen.

Wie bereits bei vorherigen Terrorakten mischen sich in der Begründung des Tatverdächtigen Antisemitismus, Antifeminismus, Rassismus und Ressentiments gegen linkes Engagement. Angesichts dieser neuen Qualität antisemitischer und rechter Gewalt in Deutschland wird es umso dringlicher, diesem Phänomen etwas entgegen zu setzen und Initiativen zu stärken, die versuchen, diese Entwicklungen zu verstehen und ihnen entgegenzuwirken.

Deshalb beobachten wir mit Sorge, dass es für zivilgesellschaftliche Initiativen, Bildungs- und Forschungsprojekte, die sich mit Fragen von Antisemitismus, Geschlecht, Sexualität, Rassismus, Rechtsextremismus und deren Verschränkungen beschäftigen und/oder Opfer beraten, sehr schwierig ist, staatliche Förderung zu erhalten.

Besonders unverständlich ist es, dass zum Beispiel im Zuge der jüngsten Umstrukturierung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vielen in diesem Bereich tätigen Projekten die ohnehin begrenzte Förderung gestrichen wurde, auch wenn am 9. Oktober die Programm-Mittel wieder aufgestockt wurden. Die Aufstockung umfasst jedoch nur das Jahr 2020. Träger der Zivilgesellschaft können nunmehr keine mittelfristige Projektplanung mehr vornehmen, und die thematische Engführung wurde nicht aufgegeben. Schon in der Vergangenheit war eine Beschäftigung mit Sexismus, Antifeminismus und gleichstellungsfeindlichen Angriffen als zentralen Themen aktueller rechter Mobilisierungen in dieser Förderlinie nicht vorgesehen. Die Begrenzung auf das Jahr 2020 und die Intransparenz über die geplante Verteilung der Mittel machen wenig Hoffnung auf eine ernsthafte Stärkung der Zivilgesellschaft.

Bildungs- und Forschungsprojekte zu den genannten Themenfeldern leisten einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie zur Förderung von Demokratie als Lebensform. Deshalb fordern wir die Bundesregierung sowie die Landesregierungen auf, ihreFörderpraxis auf den nachhaltigen Aufbau zivilgesellschaftlicher und demokratischer Initiativenauszurichten.

Marburg, den 09/10.10.2019

Das Team und der wissenschaftliche Beirat des Forschungsprojekts „REVERSE (Krise derGeschlechterverhältnisse? Anti-Feminismus als Krisenphänomen mit gesellschaftsspaltendem Potenzial)“ am Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg

Die Teilnehmenden der Tagung „Antifeminismen. 'Krisen'-Diskurse mit gesellschaftsspaltendem Potential?“am 09.-10.10.2019 an der Philipps-Universität Marburg, Abschlusskonferenz des REVERSE-Projekts.


Email vom 10.10.2019:

In einer gesellschaftlichen Gesamtlage, in der sexuelle und geschlechtliche Vielfalt durch reaktionäre und faschistoide Kräfte bedroht wird und Menschen, die sich jenseits der binären Geschlechtsdefinitionen erleben angegriffen, beleidigt und gedemütigt werden die Mittel für Projekte und Initiativen wie #Dissens zu streichen, die sich hochprofessionell mit der Forschung in diesem Gebiet auseinandersetzen ist schon nicht nur fahrlässig und blauäugig sondern demokratiegefährdend.

Die #Groko hat offenbar noch immer nicht verstanden, wie wichtig und demokratiestabilisierend solche Projekte und Initiativen sind.

Landesgeschäftsführung
pro familia Landesverband Bayern e.V.


Facebook-Post vom 5.10.2019:

Wir halten nicht viel vom Bundesprogramm, aber wir halten sehr viel von Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V.! Unterstützt unsere Kolleg*innen und Freund*innen, bitte!

Versteckspiel & Queer:Space

https://www.facebook.com/Versteckspiel1/posts/2658013180923782?__tn__=-R

https://www.facebook.com/queerSpaceSO36/posts/394442394779035?__tn__=-R


Facebook-Post vom 4.10.2019:

Aus aktuellem Anlass teilen wir hier die Stellungnahme unserer Kolleg*innen von Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V., die, wie viele andere unserer Kooperationspartner*innen in diesen Tagen die fatale Nachricht bekommen haben, nicht weiter im Programm "Demokratie leben!" gefördert zu werden.
(Petition weiter unten)

Wir sind schockiert und bestürzt von dieser Entwicklung. In Zeiten des fortschreitenden Rechtsrucks in unserer Gesellschaft ist es für uns vollkommen unverständlich, dass gerade diverse Organisationen, die sich für eine demokratische, freie und tolerante Gesellschaft einsetzen und dabei oft zu einem Ziel von Rechtspopulist*innen und Rechtsextremen werden, nun die offizielle Unterstützung des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verlieren.

Wir wünschen uns, dass die Verantwortlichen ihre Entscheidungen überdenken. Unseren Kolleg*innen wünschen wir viel Kraft und möchten hiermit unsere Solidarität aussprechen. Wir möchten auch euch bitten diese Stellungnahme zu teilen und euch solidarisch zu zeigen.

Ergänzend dazu hat das "Bündnis Bildung für eine demokratische Gesellschaft" eine Petition gestartet, die ihr mit zeichnen könnt.

https://bildungdemokratie.de/demokratiefoerderung-ausbauen/

#Demokratieleben#Bildungsarbeit#FürdieguteSache

stuhlkreis_revolte

https://www.facebook.com/stuhlkreisrevolte/posts/2404915726502169?__tn__=-R


Facebook-Post vom 01.10.2019:

Wir unterstützen unsere Kolleg*innen von Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V., deren Arbeit ab 2020 bedroht ist, da ihre Förderung durch das Bundesprogramm "Demokratie leben!" nicht weiter geführt wird.

https://www.facebook.com/gegenargument/posts/2453120851639706?__tn__=-R

Zuletzt aktualisiert am 22.10.2019