Aktuelle Projekte

ForuM – Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland

Dissens beteiligt sich im Forschungsverbund “ForuM – Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland”. Ziel des Forschungsverbundes ist eine Gesamtanalyse evangelischer Strukturen und systemischer Bedingungen, die sexualisierte Gewalt begünstigen und ihre Aufarbeitung erschweren. Damit soll eine empirische Basis für weitere Aufarbeitungsschritte entstehen. Der Forschungsverbund hat im Dezember 2020 die Arbeit aufgenommen. Ergebnisse der Studie sollen im Herbst 2023 vorliegen. Die Studie besteht aus fünf Teilstudien, von denen eine zum Thema “Perspektiven Betroffener“ im IPP München angesiedelt ist und in Kooperation mit Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V. durchgeführt wird.


Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP)

Der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP) ist ein bundesweit tätiger Träger der Jugendhilfe und Jugendverband und existiert seit 1976 durch Fusion zweier Vorläuferverbände. Die seit 2011 intern begonnene Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im BdP durch den Arbeitskreis „Schatten der Jugendbewegung“ und die Bildungsstätte Burg Ludwigstein wurde jetzt an das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) als externes wissenschaftliches Institut übergeben. Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. beteiligt sich als Kooperationspartner des IPP an der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im BdP. Das Projekt hat im Mai 2021 begonnen, Ergebnisse werden im Jahr 2023 veröffentlicht.


ECaRoM - Förderung fürsorglicher Männlichkeiten in der frühen Erziehung und Bildung

ECaRoM stellt sich die Frage, in wie weit Fürsorglichkeit stärker in die Kindheitspädagogik in Kindergarten und Grundschule, insbesondere mit Jungen, eingebracht werden kann. Wenn Fürsorge nicht mehr einem Geschlecht zugeschrieben wird, kann so schon früh der ungleichen Verteilung entgegengewirkt werden. Der Fokus des Projektes liegt auf der Entwicklung von geschlechtersensiblen pädagogischen Materialien und der Fortbildung von pädagogischen Fachkräften. Durch die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene sollen dabei gute Beispiele der Partnerländer identifiziert und verbreitet werden und so Impulse aus den Partnerländern auch für die Weiterentwicklung der pädagogischen Praxis in Deutschland nutzbar gemacht werden.


Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Essen von 1958 bis heute

Im Bistum Essen haben sich als Konsequenz aus der MHG-Studie verschiedene Projektgruppen zur Aufdeckung, Aufarbeitung und Prävention von sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt gegründet, die einen breiten Blick auf das Themenfeld ermöglichen. Zu den Vorhaben in diesem Zusammenhang gehört auch eine historische und systematische Aufarbeitung des Umgangs mit sexualisierter Gewalt im Bistum Essen vom Gründungsjahr 1958 bis heute. In dieser Studie stehen die Strukturen und Personen im Mittelpunkt, die sexualisierte Gewalt begünstigt oder deren Aufdeckung verhindert haben. Dazu werden auf der Grundlage von Aktenstudien Tiefenanalysen von ausgewählten Fällen sexualisierter Gewalt und Grenzverletzungen durch Kleriker oder andere Mitarbeiter*innen des Bistums Essen gegenüber Minderjährigen durchgeführt.

In der modulhaft aufgebauten Untersuchung steht die Perspektive der Betroffenen im Vordergrund. Durchgeführt werden multiperspektivische Fallanalysen, die in exemplarischer Weise Risikokonstellationen aufdecken und somit Einsichten in unterschiedliche Dynamiken gewähren, die sich um die Ausübung sexualisierter Gewalt innerhalb des Bistums Essen gruppierten und möglicherweise noch gruppieren.


Jungen* und non-formale Bildung

Die Studie „Jungen* und non-formale Bildung“ untersucht mit qualitativen Forschungsmethoden die Praxis geschlechterreflektierter Arbeit mit Jungen* in Angeboten non-formaler Bildung, mit einem Schwerpunkt auf Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Dabei geht es einerseits um den aktuellen Stand geschlechterreflektierter Pädagogik mit Jungen* in non-formalen Feldern – ihre inhaltlichen Schwerpunkte ebenso wie die Faktoren, die ihre Umsetzung in der pädagogischen Praxis fördern oder erschweren. Zum anderen wird der Blick auf das Erleben und die Praktiken teilnehmender Jungen* gerichtet: Wie erfahren und nutzen Jungen* verschiedene Angebote geschlechterreflektierter Kinder- und Jugendarbeit?


Projektleitung: Bernard Könnecke
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Philippe Greif und Hartwig Schuck

Projektlaufzeit: 05/2018 bis 02/2021

Das Forschungsprojekt Jungen* und non-formale Bildung ist ein Teil des Verbundprojektes JuB - Jungen und Bildung und wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Jungen*pädagogik und Prävention von sexualisierter Gewalt

Das Praxis-Forschungsprojekt JupP zielt auf eine verbesserte Prävention von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, die sich als männlich verstehen. Hierfür werden präventionsbezogene Aspekte in den pädagogischen Angebote der vier Praxisfelder Jungenarbeit, Sexualpädagogik, Präventionsarbeit zu sexualisierter Gewalt sowie queerer Bildung in einem gemeinsamen Reflexionsprozess herausgearbeitet und weiter entwickelt.

In den vier Praxisfeldern sind bereits verschiedene pädagogische Aspekte (Zugänge, Methoden und/oder Praxen) vorhanden, die z.B. das Potential in sich tragen, männliche Kinder und Jugendlichedazu zu befähigen, Gewaltwiderfahrnisse als solche einzuordnen, von Männlichkeitsanforderungen zu entlasten, die eine Auseinandersetzung mit Gewaltwiderfahrnissen erschweren, in ihrer Selbstbestimmung in Bezug auf ihren Körper oder auf ihr sexuelles Selbstverständnis und Begehren zu stärken, dazu anzuregen, in Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu treten.

Die Potenziale und Herausforderungen der vier Praxisfelder werden in Praxis-Forschungsprozess herausgearbeitet um pädagogische Praxis betroffenensensibel weiter zu entwickeln. Ziel ist die Prävention von sexualisierter Gewalt zu verbessern und (potentiell) Betroffenen besser zu schützen.


Schnittstelle Geschlecht - Geschlechterreflektierte Bildung als Prävention von Sexismus, Vielfaltsfeindlichkeit und Rechtsextremismus

In den letzten Jahren werden antifeministische, sexistische, homo-, inter*- und trans*feindliche Positionen von religiös-fundamentalistischen, rechtspopulistischen und rechtsextremen Akteur_innen verstärkt in Debatten eingebracht. Unter Kampfbegriffen wie ‚Genderideologie‘ und ‚Genderwahn‘ wird gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Gleichstellungsbemühungen und bereits existente Errungenschaften (beispielsweise die ‚Ehe für Alle‘ oder Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbrüchen) mobil gemacht. Themen um Geschlecht, Sexualität und Familie fungieren dabei als Schnittstelle zwischen dem gesellschaftlichen Mainstream und extrem rechten Ideologien, die längst Eingang in gegenwärtige Alltagsdiskurse gefunden haben. Nichtsdestotrotz bleiben Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in der politischen, pädagogischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und (Primär- und Sekundär-)Prävention weiterhin unterbeleuchtet. Ebenfalls unterbeleuchtet ist bislang die Bedeutung Sozialer Medien und digitaler Welten in diesem Zusammenhang.

Vor diesem Hintergrund sollen im Rahmen des Projekts SchniG die von Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V. in den letzten Jahren erarbeiteten Ansätze und Bildungsformate zu geschlechterreflektierter Rechtsextremismus-/Neonazismusprävention, zum Lernen zu (Anti)Diskriminierung, zu Bestärkung und Empowerment und zur Intervention in digitale Räume fortgeführt und unter Berücksichtigung der beschriebenen aktuellen Problemlagen weiterentwickelt werden. Das Projekt bietet u.a. Bildungsformate zu den genannten Themenfeldern, Unterstützung und Empowerment im Umgang mit gleichstellungs- und vielfaltsfeindlichen Angriffen sowie diverse Online-Angebote.


Projektleitung: Bernard Könnecke

Mitarbeiterinnen: Sarah Klemm und Ulla Wittenzellner

Projektlaufzeit: 04/2020 - 12/2020 (Verlängerung beabsichtigt)

Das Projekt wird gefördert von der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung im Rahmen des Landesprogramms gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

Das Gender-Sternchen (*) dient als Verweis auf den Konstruktionscharakter von "Geschlecht". Wenn das Sternchen hinter einer Personenbezeichnung (z.B. Jungen*) steht verdeutlicht es, dass hier explizit alle Menschen gemeint sind, die sich mit dieser Bezeichnung identifizieren, durch sie definiert werden und/oder sich sichtbar gemacht sehen. Dadurch wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass sich unter der Bezeichnung verschiedene, vielfältige Positionierungen sammeln können. Gleichzeitig dient das Sternchen als Platzhalter um Raum für verschiedene geschlechtliche (und sexuelle) Verortungen zu lassen.