Social Media Interventions! - rechtsextremen Geschlechterpolitiken im Netz begegnen

Laufzeit: September 2017 bis Dezember 2019

Soziale Netzwerke, insbesondere Facebook, sind zur wichtigen Plattform rechtsextremer Akteur_innen geworden. Hate Speech (Hassrede) sowie demokratiefeindliche und diskriminierende Inhalte werden von Rechten gezielt im Netz organisiert und gestreut, die damit den Ton in Sozialen Medien angeben – eine Organisierung und Verbreitung von Gegenpositionen und eine aktive Veränderung des Umgangs miteinander steckt noch in den Anfängen.

In derzeitigen rechten Diskursen sind die Kategorie Geschlecht und damit Fragen um Geschlechterrollen, Sexualität, Zweigeschlechtlichkeit, Familienbilder und Bevölkerungspolitik (wieder) zentral. In der Vorstellung einer vermeintlich gesellschaftlich hegemonial gewordenen Gleichstellungspolitik, die über das Ziel hinausgeschossen sei, wird die Notwendigkeit ausgedrückt, eine biologisch und/oder religiös fundierte Geschlechterordnung zu verteidigen. Neben rassistischen und nationalistischen Argumenten entfalten gerade diese Positionen rund um Geschlecht, Sexualität und Familie enorme Strahlkraft. Menschen, die nicht mit diesen Vorstellungen übereinstimmen, sehen sich im Netz massiven Drohungen und Angriffen ausgesetzt – u.a. Shitstorms in Sozialen Medien. Rechtsextreme Positionen und Hate Speech rund um Geschlecht und Geschlechterverhältnisse sind sexistisch, homo-, trans*- und inter*feindlich. Sie stehen zudem häufig mit rassistischen und antimuslimischen Positionen sowie anderen Phänomenen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Verbindung, bzw. wirken mit diesen zusammen. Zur Disposition steht damit gesellschaftliche Freiheit schlechthin.

Unser Projekt Social Media Interventions! setzt an dieser Stelle an. Wir wollen durch eine Kombination aus Online- und Offlineangeboten diskriminierender, vielfaltsfeindlicher Hassrede im Netz begegnen, Gegenargumente bündeln und verbreiten und Bildungsangebote für Jugendliche und Pädagog_innen schaffen.

Die Online-Angebote – bestehend aus einer Website, einer Facebookseite und einer Onlinekampagne (genauere Darstellung s.u.) – richten sich besonders an Jugendliche und junge Erwachsene sowie darüber hinaus an eine breite Netzöffentlichkeit, um diese in ihrem Engagement gegen Diskriminierung zu unterstützen.
Die Bildungsformate werden länderübergreifend, in Berlin, Brandenburg und Sachsen, angeboten. Sie richten sich einerseits an Jugendliche und junge Erwachsene im schulischen und außerschulischen Kontext. Diese werden in ihrer Medienkompetenz gestärkt und für Themen um sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Geschlecht und rechtsextreme Positionen dazu sensibilisiert. So werden sie dazu befähigt rechte Positionen zu erkennen und zu analysieren, sich sicherer im Netz zu bewegen, eigene Posts zu verfassen und mit Angriffen umzugehen. Andererseits werden auch Workshops für Lehrkräfte und pädagogisch Tätige angeboten, die so für Ansprachen und Angriffe im Netz sensibilisiert und dazu befähigt werden, selbstständig mit Schüler_innen Projekte durchzuführen.
Die Online- und Offline-Angebote unterstützen und empowern dabei auch Personen, die von sexistischer, homo-, inter*- und trans*feindlicher Hassrede betroffen sind.

Wir kooperieren im Rahmen des Projekts zum einen mit Vereinen und Aktivist_innen, die im Netz aktiv sind und dort u.a. Jugendliche ansprechen, wie das MESH Collective, meinTestgelände und Datteltäter. Zum anderen vernetzen wir uns mit Akteur_innen, die inhaltlich und/oder bildungspolitisch zu Antidiskriminierung, Sexismus, Homo-, Inter*- und Trans*feindlichkeit arbeiten, u.a. ABqueer e.V., RosaLinde Lepzig e.V., die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Brandenburg, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Hans-Böckler-Stiftung. Für die Planung und Umsetzung der Bildungsformate kooperieren wir mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und mit pädagogischen Einrichtungen wie den Landesfachstellen Jungen- und Männerarbeit Sachsen und dem Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg.

Wir bearbeiten Fragen rund um Antifeminismus, Sexismus, Homo-, Inter*- und Trans*feindlichkeit unter Berücksichtigung weiterer Ungleichheits- und Diskriminierungsverhältnisse – im Kontext rechtsextremer Positionen insbesondere in ihrer Verschränkung mit Rassismus.

 

Aufbau

I. Erstellen von Argumentationshilfen

2017 wird, um Betroffene und Unterstützer_innen zu stärken, ein Katalog mit Argumentationshilfen erstellt, wie auf diskriminierende, vielfaltsfeindliche Stellungnahmen reagiert werden kann. Dabei werden die Strategien und Logiken hinter diesen Stellungnahmen aufgezeigt, Gegenargumente und Umgangsweisen vorgeschlagen und Materialien zur vertieften Auseinandersetzung zur Verfügung gestellt. Die Argumentationshilfen werden 2018 über eine Website zugänglich gemacht.

 

II. Übertragung ins Netz: Facebook

Um die Argumentationen sichtbar und niedrigschwellig zugänglich zu machen wird neben der Website eine Facebookseite erstellt. Die Website ist eigenständig nutzbar, dient aber gleichzeitig als vertiefender Link zur Facebookseite.

Um die Facebookseite und Website bekannt zu machen wird 2018 eine Kampagne über Facebook durchgeführt. Hierfür werden empowernde Inhalte in netzkompatiblen Formaten wie Memes, Comics, Videos und kurzen Texten in regelmäßigen Abständen auf Facebook eingespeist. Bereits bekannte Youtuber_innen, Blogger_innen und andere Multiplikator_innen und Kooperationspartner_innen werden Beiträge beisteuern und die Kampagne unterstützen.

 

III. Workshops für Jugendliche und Erwachsene

2019 werden Pilot-Workshops für Jugendliche und junge Erwachsene einerseits und pädagogisch Tätige andererseits entwickelt und im schulischen und außerschulischen Kontext umgesetzt. Die Workshops finden in Brandenburg, Sachsen und Berlin statt. Erkenntnisse aus der Kampagne werden in die Konzeption und Durchführung der Workshops einbezogen, die Website mit Argumentationshilfen als Tool zur Verfügung gestellt.

Jugendliche und junge Erwachsene sollen über Themen rund um Geschlecht, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in einen Austausch kommen, der demokratisch und vielfaltsorientiert geführt wird. So werden sie auch für rechte Ansprachen in Sozialen Medien sensibilisiert. Weitere zentrale Bestandteile der Workshops sind die Stärkung von Medienkompetenz und der aktive Umgang mit Ansprachen und Angriffen im Netz sowie die Entwicklung von Gegenargumentationen, was ein selbstsicheres Handeln in Sozialen Medien unterstützen soll.
Pädagogisch Tätige werden als Multiplikator_innen dazu befähigt, Schüler_innen im Umgang mit Sozialen Medien zu unterstützen.

Ein Fachtag für Pädagog_innen, Multiplikator_innen und andere Interessierte wird das Projekt Ende 2019 beschließen.

 

Förderung

Das Projekt wird gefördert durch das Förderprogramm Demokratie leben! des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Des Weiteren wird es gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und der Berliner Senatsverwaltung Arbeit, Intergration und Frauen - Geschäftsstelle Gleichstellung.

Zuletzt aktualisiert am 20.10.2017