Wissenschaftliche Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sowie der angeschlossenen Jugend- und Diözesanverbände in den Jahren 1945 -2025

Gegenstand der Forschungsvorhaben ist eine wissenschaftliche Untersuchung von Fällen sexualisierter Gewalt im Bereich des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sowie der angeschlossenen Jugend- und Diözesanverbände im Zeitraum von 1945 bis 2025.Im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes werden 4 Arbeitspakete realisiert:

Arbeitspaket I fokussiert die Perspektiven Betroffener. Ziel ist es, sexualisierte Gewalt in den untersuchten Zusammenhängen sichtbar zu machen und den vielfältigen Erfahrungen Betroffener Raum zu geben. Dabei werden in der späteren Analyse u.a. unterschiedliche Gewaltformen über den gesamten Erhebungszeitraum, Tatkontexte und -settings sowie Konstellationen zwischen Betroffenen und Tatpersonen ausgewertet. 

Arbeitspaket II umfasst vertiefende, multiperspektivisch generierte Fallanalysen. Dabei sollen im Rahmen eines kontrastiven Vorgehens verschiedene Orte und Zeiträume vertieft erforscht werden. Anhand dessen können ggf. sichtbar gewordene Spezifika eines Falles, aber auch fallübergreifende Strukturen rekonstruiert, analysiert, dokumentiert und diskutiert werden. 

In Arbeitspaket III wird durch quantitative Verfahren das Ausmaß sexualisierter Gewalt in den untersuchten Verbänden erhoben: Zum einen sollen durch eine anonymisierte, standardisierte Online-Befragung (Fragebogen 1), die sich vor allem an betroffene Personen und Zeitzeug*­innen richtet, belastbare empirische Daten zu erlebter sexualisierter Gewalt, Offenlegungsprozessen sowie individuellen und strukturellen Kontextfaktoren generiert werden. Zum anderen wird der organisationale Umgang mit (Verdachts-)Fällen sexualisierter Gewalt in den Blick genommen. Hierfür wird ein Fragebogen (Fragebogen 2) entwickelt, der an Leitungskräfte der einzelnen Jugend- und Diözesanverbände adressiert wird. Damit wird erhoben, welche (Verdachts-)Fälle sexualisierter Gewalt bekannt sind, wie entsprechendes Wissen generiert und wie mit diesen Fällen umgegangen wurde. 

Arbeitspaket IV beinhaltet zwei Werkstattgespräche und einen Workshop zur Diskussion von (Zwischen-)Ergebnissen. Dabei sollen relevante Themen (z.B. sexualisierte Gewalt mittels digitaler Medien, sexualisierte Peer-Gewalt) vertieft diskutiert und Impulse für die Präventions- und Interventionspraxis generiert werden. Das Forschungsprojekt ist stark partizipativ angelegt; eine große Rolle spielen die intensive Thematisierung des Vorhabens in den einzelnen Verbänden und die Akquise von Teilnehmenden über vielfältige Kanäle.

Das Gender-Sternchen (*) dient als Verweis auf den Konstruktionscharakter von "Geschlecht". Wenn das Sternchen hinter einer Personenbezeichnung (z.B. Jungen*) steht verdeutlicht es, dass hier explizit alle Menschen gemeint sind, die sich mit dieser Bezeichnung identifizieren, durch sie definiert werden und/oder sich sichtbar gemacht sehen. Dadurch wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass sich unter der Bezeichnung verschiedene, vielfältige Positionierungen sammeln können. Gleichzeitig dient das Sternchen als Platzhalter um Raum für verschiedene geschlechtliche (und sexuelle) Verortungen zu lassen.