Wissenschaftliche Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) seit 1973

Wissenschaftliche Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) seit 1973

Der Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) hat sich im Sommer 2019 für eine systematische Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt im eigenen Verantwortungsbereich entschieden. Ein wichtiger Baustein der Aufarbeitung ist die wissenschaftliche Studie, die von Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. in Kooperation mit dem Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München seit 2023 durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Studie wurden am 27. Januar 2026 auf einer Pressekonferenz vorgestellt. 

In der Studie wurden das Ausmaß und die Erscheinungsformen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im VCP untersucht, sowie der institutionelle Umgang des Jugendverbandes mit Vorfällen sexualisierter Gewalt. Im Fokus der Studie stand der Zeitraum ab 1973 (dem Gründungsjahr des VCP) bis heute. Die Datenbasis der Studie bildeten 79 qualitative Interviews mit (ehemaligen) VCP-Mitgliedern und Aktenmaterial im Umfang von ca. 1.300 Seiten zu 100 (Verdachts-)Fällen sexualisierter Gewalt. Im Fokus der Analyse standen die Erfahrungen und Perspektiven betroffener Pfadfinder*innen. 

Der 356-seitige Abschlussbericht beinhaltet einen Überblick über Art und Ausmaß sexualisierter Gewalt im VCP, verschiedene Vertiefungskapitel zu Risikokonstellationen für sexualisierte Gewalt gegen Pfadfindende im Kindes- und Jugendalter, sowie zwei Kapitel zur Interventions- und Präventionspraxis des VCP. Mit Empfehlungen zum Umgang mit Betroffenen und Vorfällen sexualisierter Gewalt und zur Veränderung der Strukturen und Verbandskultur, sowie der Verbesserung von Interventions- und Präventionsansätzen schließt der Bericht, der ab dem 27. Januar 2026 kostenlos hier heruntergeladen werden kann.

Das Projekt wurde gemeinsam mit den Kolleg*innen Dr. Peter Caspari und Franziska Behringer vom IPP München durchgeführt. Für Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. lag die Zuständigkeit bei Bernard Könnecke und Dr. Johanna Hess.

Das Gender-Sternchen (*) dient als Verweis auf den Konstruktionscharakter von "Geschlecht". Wenn das Sternchen hinter einer Personenbezeichnung (z.B. Jungen*) steht verdeutlicht es, dass hier explizit alle Menschen gemeint sind, die sich mit dieser Bezeichnung identifizieren, durch sie definiert werden und/oder sich sichtbar gemacht sehen. Dadurch wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass sich unter der Bezeichnung verschiedene, vielfältige Positionierungen sammeln können. Gleichzeitig dient das Sternchen als Platzhalter um Raum für verschiedene geschlechtliche (und sexuelle) Verortungen zu lassen.